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Schönes aus Uromas Zeiten

Plauerhagen, den 23.03.2018

Die Trödelheinis eben. Sie schleppen ihren halben Hausstand an, stapeln alles nett auf ihre Verkaufsstände und warten, dass sich ein williges Opfer findet, welches sich erbarmt, die durch fünf Generationen und zwei Weltkriege gerettete und nun verstaubte Emaille-Tasse zu kaufen. Ist es so einfach? Oder steckt doch mehr dahinter?

Der Antik- und Trödelmarkt in Plauerhagen brachte jedenfalls wieder einiges aus den Schränken und Dachböden vergangener Zeiten zutage. Etwa 40 Händler hatten sich zusammengefunden, um bei sonnigem Wetter aber eiskaltem Ostwind ihre Ware feilzubieten. „Wenn das Wetter besser ist, kommen schon an die 80 Händler“, weiß Dieter Herbert der mit Frau Inge bereits seit 1995 in der Umgebung trödelt und all das hier organisiert hat. Und die Leute kamen: von der Prignitz bis nach Waren hatte sich das Geschäft rumgesprochen, das verrieten die zahlreichen Autos am Straßenrand.

Ein paar Tische draußen, viele in der Halle. Reichlich fußkalt, aber selbst schuld. „Sie müssen sich eben warme Gedanken machen“, rät Werner, der aus der Nähe von Güstrow stammt und seit 14 Jahren mit dabei ist. Dabei hatte er selbst die Hände tief in den Taschen vergraben und den Kopf schildkrötengleich eingezogen. Doch er bleibt am Ball: „Flohmarkt soll Spaß machen oder man soll ihn gar nicht machen“, weiß der Rentner, der unter anderem antikes Werkzeug verkauft, das wohl sehr beliebt ist. Aber auch andere, noch speziellere Dinge sind angesagt: „Bei mir fragte mal jemand nach, ob ich einen Amboss hätte, so bis zu 150 Kilogramm“. Er schüttelt den Kopf; als würde er so ein Ding mal entspannt unter dem Tisch liegen haben. „Es wird eben alles gesammelt außer Mühlstein und Grünglas.“ Und so finden sich Münzen neben Messinggeschirr, Keramikhunde neben Käsebrettchen, Soldatenhelme zwischen Milchkannen, DDR-Anstecker an Klappmesser. Sogar Luftbildaufnahmen von Hamburg, ganz ohne Elbphilharmonie, liegen auf feinem Porzellan. Etwas für jeden Geschmack eben. Und für die Neugierigen, die einfach mal schauen wollen. So hatte es auch Anni Vandersee hierhergeschafft – zum ersten Mal, zusammen mit Kind, Enkel, Urenkel. „Es gefällt mir, doch schade, dass es so kalt ist“, so die Goldbergerin, die sich an einer Schale heißer Pommes wärmte. Auch Händlerin Silvia Drefahl aus Wendisch-Priborn stand sich bei unwohligen Temperaturen die Beine in den Bauch. Doch für sie kein Problem: „Die Menschen kommen, sie erzählen von Freud und Leid, das ist doch schön“. Für sie ist es seit drei Jahren ein Hobby, welches eben noch den ein oder anderen Euro in die Tasche spült. So haben wir also ein Fazit in Sachen Trödelmarkt: Wie ein Friseurbesuch zum psychologischen Austausch in menschlicher Runde plus dem Sammeln unnützer, aber ungewöhnlicher und daher durchaus vorzeigbarer Dinge und außerdem der angenehme Nebeneffekt einer Kälte-Kur, die uns zeigt, wie schön es doch in der warmen Stube sein kann – das ist der Trödelmarkt.

 
 

– Quelle: https://www.svz.de/19403921 ©2018

 

Foto: Vorschaubild zur Meldung: Schönes aus Uromas Zeiten